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Yacht chartern im Mittelmeer: Was eine Woche wirklich kostet

Der Wochenpreis einer Charteryacht ist ein Grundpreis. Er benennt, was das Schiff und seine Crew kosten, und lässt offen, was die Reise selbst kostet. Diese Trennung ist Branchenstandard und steht so im Vertrag.

Wer sie kennt, rechnet vor der ersten Anfrage mit der richtigen Größenordnung. Wer sie nicht kennt, erlebt sie bei der Abrechnung. Dieser Beitrag ordnet die Posten und nennt jeweils die Quelle.

Im Mittelmeer wird nach MYBA-Bedingungen "plus expenses" verchartert. Der Grundpreis ist der Anfang der Rechnung, nicht ihr Ende.

Wochenpreise nach Yachtgröße

Eine verbindliche Preisliste gibt es in diesem Markt nicht. Jede Yacht setzt ihren eigenen Satz, und die veröffentlichten Spannen mehrerer Broker weichen für dieselbe Größenklasse teilweise um den Faktor zwei ab.

  • 20 bis 24 Meter: 20.000 bis 70.000 € je Woche
  • 24 bis 30 Meter: 40.000 bis 100.000 € je Woche
  • 30 bis 40 Meter: 40.000 bis 200.000 € je Woche
  • 40 bis 50 Meter: 60.000 bis 200.000 € je Woche
  • über 50 Meter: 150.000 bis über 500.000 € je Woche

Diese Werte fassen die Schätzspannen mehrerer Charterbroker für die Hochsaison zusammen. Ein Marktscan aktueller Mittelmeer-Angebote nennt für Motoryachten rund 31.500 bis 1,6 Millionen US-Dollar je Woche, für Segelyachten 20.500 bis 533.000 US-Dollar — jeweils zuzüglich Betriebskosten.

Der Grund für die Streuung liegt nicht in der Länge. Zwei Yachten mit 30 Metern können sich in Baujahr, Werft, Crewstärke und Ausstattung so stark unterscheiden, dass ein gemeinsamer Preis keine Aussage hätte.

Die Saison verschiebt jede dieser Zahlen. Broker nennen für die Nebensaison im Mai und Oktober 30 bis 40 Prozent unter dem Höchstsatz, für Juni und September 15 bis 25 Prozent darunter. Juli und August werden voll berechnet.

Was der MYBA-Vertrag einschließt

Der Standardvertrag der Mediterranean Yacht Brokers Association regelt in Klausel 8 genau, wer welche Kosten trägt. Im Grundpreis enthalten sind laut Vertragstext:

  • Die Yacht mit vollständiger, funktionsfähiger Ausrüstung
  • Löhne, Verpflegung und Uniformen der Crew
  • Versicherung von Schiff und Besatzung
  • Reinigungsmittel, Werkzeug und Grundverbrauchsmaterial an Bord
  • Wäsche der Schiffswäsche, nicht Ihrer persönlichen

Zusätzlich zum Grundpreis trägt der Charterer:

  • Treibstoff für Hauptmaschinen, Generatoren, Beiboote und Wassersportgeräte
  • Liegeplätze, Hafenabgaben, Lotsen, Zollformalitäten, Wasser und Landstrom
  • Verpflegung und sämtliche Getränke für Ihre Gäste
  • Agenturgebühren, Kommunikation und Internetnutzung an Bord
  • Persönliche Wäsche, Transporte an Land, Ausflüge
  • Miete oder Kauf besonderer Ausrüstung auf Ihren Wunsch

Ein Broker beschreibt die Folge nüchtern: je nach Region und Saison liegt der Endbetrag 30 bis 100 Prozent über dem Grundpreis. Das ist keine Nachforderung, sondern die Struktur des Vertrags.

In der Karibik ist die Gegenform verbreitet, bei der Treibstoff, Verpflegung und Liegeplätze in einem Pauschalpreis stecken. Im Mittelmeer bleibt sie die Ausnahme.

Die APA: Vorkasse für die Betriebskosten

Die Advance Provisioning Allowance ist keine Gebühr, sondern ein Vorschusskonto für die oben genannten Posten. Broker nennen üblicherweise 25 bis 40 Prozent des Grundpreises, bei Segelyachten eher 25 bis 35, bei Motoryachten eher 35 bis 40 Prozent.

Der MYBA-Vertrag selbst schreibt keinen Prozentsatz fest. Er lässt das Feld frei und verhandelt den Betrag pro Charter. Die genannten Sätze sind Marktkonvention, keine Vertragsvorgabe.

Der Ablauf ist geregelt: Sie überweisen die APA vor der Reise, üblicherweise vier Wochen vor Einschiffung. Der Kapitän führt das Konto, informiert Sie über den Stand und bittet bei Bedarf um Aufstockung.

Vor der Ausschiffung legt er eine detaillierte Abrechnung mit Belegen vor. Nicht verbrauchte Mittel werden zurückgezahlt, Mehrausgaben vor dem Verlassen der Yacht beglichen. Verlangen Sie diese Belege, sie sind Vertragsbestandteil.

Mehrwertsteuer je Startland

Maßgeblich ist, in welchem Land die Charter beginnt. Die folgenden Sätze nennen zwei unabhängige Fachquellen der Branche übereinstimmend: Frankreich 20 Prozent, Italien 22 Prozent, Spanien 21 Prozent, Kroatien 13 Prozent.

Frankreich und Italien kennen Ermäßigungen für den Anteil der Reise außerhalb von EU-Gewässern, sauber dokumentiert. Für Spanien nennen beide Quellen keine solche Erleichterung.

Für Griechenland liegt der Regelsatz bei 24 Prozent, die tatsächliche Belastung jedoch deutlich darunter. Hier weichen die Quellen ab: eine nennt einen effektiven Satz zwischen 5,2 und 13 Prozent, die andere eine Minderung um 50 bis 60 Prozent.

Diese Angaben stammen von Charterbrokern, nicht von Finanzverwaltungen. Für Griechenland und Italien sollten Sie den anzuwendenden Satz vor Vertragsschluss steuerlich prüfen lassen. Auch Zustellgebühren können der Steuer unterliegen.

Crew-Gratifikation

Die MYBA-Richtlinie nennt 5 bis 15 Prozent des Grundpreises und bezeichnet 10 Prozent als übliches Maß. Für das Mittelmeer geben Broker meist 10 bis 15 Prozent an, einzelne bis 20 Prozent.

Berechnet wird der Grundpreis, nicht die Summe aus Grundpreis, APA und Steuer. Die Zahlung erfolgt am Ende der Reise in bar an den Kapitän, der sie unter der Crew verteilt.

Vertraglich geschuldet ist sie nicht. Sie ist eine Konvention, und ein seriöser Vermittler nennt Ihnen die Größenordnung vorher, statt sie am letzten Tag anzudeuten.

Zustellung und Rückführung

Der MYBA-Vertrag führt eine eigene Position für Zustellung und Rückführung. Sie entsteht, wenn Einschiffungs- und Ausschiffungshafen nicht identisch sind und die Yacht deshalb vor oder nach Ihrer Reise verlegt werden muss.

Eine belastbare Betragsspanne veröffentlicht kein Broker, weil die Gebühr aus Distanz, Treibstoff und Crewzeit entsteht und pro Buchung verhandelt wird. Fragen Sie sie ausdrücklich ab, wenn Sie eine Einwegroute planen.

Kabinen- und Tagescharter

Beides gehört zu anderen Marktsegmenten. Einzelne Kabinen werden vor allem auf traditionellen Gulets an der türkischen und griechischen Küste verkauft, nicht auf Crewyachten über 20 Meter.

Eine vollständige Yacht dieser Größe für einen einzigen Tag zu chartern, ist im Mittelmeer praktisch nicht vorgesehen. Der Vertrag begrenzt die Fahrzeit auf durchschnittlich sechs Stunden pro Tag und ist auf mehrtägige Reisen ausgelegt.

Eine Beispielrechnung

Ein Broker veröffentlicht für eine 24-Meter-Motoryacht in Griechenland: Grundpreis 80.000 €, Mehrwertsteuer 12 Prozent mit 9.600 €, APA 35 Prozent mit 28.000 €, Gratifikation 8.000 bis 12.000 €. Endbetrag rund 125.600 bis 129.600 €.

Für dieselbe Yacht in Frankreich rechnet derselbe Broker mit 17.600 € Steuer, also 22 Prozent. Das widerspricht den 20 Prozent, die zwei Fachquellen für Frankreich nennen. Genau deshalb gehört der Steuersatz vor Vertragsschluss geprüft und nicht aus einer Beispielrechnung übernommen.

Beide Beispiele sind Brokermaterial, keine geprüften Marktdurchschnitte. Sie zeigen die Struktur der Rechnung zuverlässiger als ihre Beträge.

Für 30 Meter veröffentlicht niemand eine vergleichbare Aufstellung. Rechnen Sie selbst mit den Prozentsätzen dieses Beitrags — das Ergebnis liegt näher an der Realität als jede gerundete Gesamtsumme.

Woran ein belastbarer Vermittler erkennbar ist

Er nennt Grundpreis, APA-Satz, Startland mit Steuersatz, Zustellgebühr und die erwartete Gratifikation in einer Aufstellung, unaufgefordert und schriftlich. Er nennt außerdem Baujahr, Crewstärke und die letzte Klassifikation der Yacht.

Wer stattdessen mit einem niedrigen Wochenpreis beginnt und die Betriebskosten erst nach der Zusage benennt, verkauft keine Reise, sondern einen Einstieg. Wie eine strukturierte Prüfung abläuft, steht in unserem Beitrag zum Vetting von Luxus-Dienstleistern. Die gleiche Logik gilt in der Luft, aufgeschlüsselt im Beitrag Privatjet chartern: Was der Flug wirklich kostet.

Häufige Fragen

Was kostet es, eine Yacht im Mittelmeer zu chartern?

Veröffentlichte Wochenpreise für die Hochsaison beginnen bei etwa 20.000 € für eine kleinere Crewyacht und reichen bei 50 Metern und mehr in den sechsstelligen Bereich. Diese Beträge sind Grundpreise; Betriebskosten, Mehrwertsteuer und Gratifikation kommen hinzu.

Was ist die APA bei einem Yachtcharter?

Die Advance Provisioning Allowance ist eine Vorauszahlung für die Betriebskosten der Reise, üblicherweise 25 bis 40 Prozent des Grundpreises. Der Kapitän führt darüber ein Konto, legt vor der Ausschiffung Belege vor und zahlt den Rest zurück.

Ist im Wochenpreis alles enthalten?

Nein. Der MYBA-Standardvertrag deckt Yacht, Ausrüstung, Löhne, Verpflegung und Uniformen der Crew sowie die Versicherung. Treibstoff, Liegeplätze, Hafenabgaben, Verpflegung der Gäste und Kommunikation zahlt der Charterer zusätzlich.

Wie hoch ist das Trinkgeld für die Crew?

Die MYBA-Richtlinie nennt 5 bis 15 Prozent des Grundpreises und bezeichnet 10 Prozent als übliches Maß. Für das Mittelmeer nennen Broker meist 10 bis 15 Prozent. Die Zahlung ist üblich, aber nicht vertraglich geschuldet.

Der ruhige Weg zur Charter

Eine gute Charter beginnt mit einer präzisen Beschreibung des Vorhabens an einen geprüften Vermittler, nicht mit einer Preisanfrage an zehn Adressen. Was Sie an laufender Betreuung erwarten dürfen, steht im Beitrag zum Concierge-Service für Privatjet und Yacht.

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