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Kunst kaufen: Auktion oder privat — was den Preis wirklich macht

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Kunst wird auf zwei Wegen gehandelt: unter dem Hammer, vor Publikum, mit veröffentlichten Preisen — oder hinter verschlossener Tür, mit einem Preis, den nur zwei Parteien kennen. Die Auktion wirkt auf den ersten Blick transparent, der private Weg unverbindlich. Beides stimmt nur zur Hälfte, und die Hälfte, die fehlt, ist die, über die der Preis entschieden wird.

Dieser Beitrag legt beide Wege nebeneinander: das Aufgeld der großen Häuser im Stand 2026, die Differenzbesteuerung nach § 25a UStG, die Händleraufschläge, die Provenienzprüfung und den Gewährleistungsausschluss, der den Zuschlag zum einseitigen Vertrag macht. Jede Zahl trägt ihre Quelle; wo der Markt nichts veröffentlicht, steht das dabei.

Der Zuschlag ist nicht der Preis. Aufgeld, Umsatzsteuer auf das Aufgeld und ein Gewährleistungsausschluss kommen dazu — beim privaten Kauf dagegen die Marge, die niemand zeigt.

Das Aufgeld 2026: wer wie viel obendrauf nimmt

Das Aufgeld (Buyer’s Premium) ist die Provision des Käufers an das Haus, gestaffelt nach Hammerpreis. Der Stand 2026:

  • Christie's. 28 % bis 1,5 Mio. £, 22 % bis 6 Mio. £, 15 % darüber
  • Sotheby's (seit Feb. 2026). 28 % bis 2 Mio. $, 22 % bis 8 Mio. $, 15 % darüber
  • Phillips. 29 % bis 2 Mio. $, 22 % / 15 % darüber; Priority Bidding senkt 1–4 Punkte
  • Lempertz (Köln). 27 % zzgl. 19 % USt auf das Aufgeld, ab 800.000 € 22 %

Drei Beobachtungen dazu. Erstens: Die Spitzenhäuser haben 2025/26 weiter erhöht — Sotheby’s hob im Februar 2026 auf 28 % und gleichzeitig die Preisgrenze der ersten Stufe von 1 auf 2 Mio. $ an (The Art Newspaper, 17.02.2026). Zweitens: Die Staffel arbeitet progressiv, aber nur scheinbar sozial — bei einem Werk um die 2 Mio. € ist das Aufgeld ein Betrag im mittleren fünfstelligen Bereich, in dem eine private Kaufverhandlung dieselbe Summe als Rabatt argumentieren könnte. Drittens: Auf das Aufgeld ist in Deutschland Umsatzsteuer zu zahlen, bei deutschen Häusern in der Regel 19 %, bei Werken mit Einfuhrstatut teils der ermäßigte Satz — die Bandbreite der Gesamtlast hängt also am Objekt, nicht nur am Haus.

Differenzbesteuerung: die Steuer, die Sie nicht sehen

Verkauft ein deutscher Händler ein Kunstwerk, das er eingekauft hat, unterliegt der Verkauf der Differenzbesteuerung nach § 25a UStG. Besteuert wird nicht der Verkaufspreis, sondern die Marge — der Unterschied zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis, mit 19 %. Da die Marge als bereits umsatzsteuerlich enthalten gilt, sind es rechnerisch 19/119, also rund 16 % der Marge (UStAE 25a.1 des BMF). Lässt sich der Anschaffungspreis nicht nachweisen, greift die Pauschalmarge des § 25a Abs. 3 Satz 2 UStG: 30 % des Verkaufspreises gelten als Bemessungsgrundlage, effektiv rund 4,8 % des Verkaufspreises.

Für den Käufer hat diese Konstruktion eine eigene Anmutung: Die Rechnung weist keine Umsatzsteuer aus, denn § 25a Abs. 4 UStG schließt den gesonderten Steuerausweis aus. Der Einkaufspreis des Verkäufers bleibt dadurch zwangsläufig geheim — dieselbe Regel, die die Steuergestaltung vereinfacht, macht den echten Einkaufspreis für die Marktseite unsichtbar. Wer wissen möchte, welche Marge tatsächlich im Preis steckt, kann sie nicht ablesen; er kann nur verhandeln. Ein Wahlrecht des Händlers zur Regelbesteuerung mit dem ermäßigten Satz von 7 % (§ 25a Abs. 3, Abs. 8 UStG) existiert — vor allem bei eingeführten Werken relevant — und ändert die Sichtbarkeit ebensowenig.

Der private Weg: Marge ohne Skala

Galerien und Händler kalkulieren typischerweise mit Aufschlägen von 30 bis 50 Prozent; bei Primärverkäufen ist die Teilung des Preises zwischen Galerie und Künstler häufig 50/50. Verhandelte Rabatte sind branchenüblich — Artsy nennt 5 bis 15 Prozent, Sammlerberichten zufolge sind unter Druck auch 25 bis 30 Prozent erreicht worden. Ein privater Verkauf über ein Auktionshaus (Private Sales) wird kommissionsbasiert abgerechnet; die Sätze der Häuser sind nicht öffentlich und verhandelbar. Dass dieser Kanal kein Nischengeschäft ist, zeigen die Volumina: Christie’s meldet für das erste Halbjahr 2026 über eine Milliarde Dollar Private Sales, Sotheby’s 826 Mio. $ als Rekord (The Art Newspaper, 15.07.2026).

Der Markt overall wächst und verschiebt sich dabei: Das Art Basel & UBS Report 2026 (hrsg. von Clare McAndrew) beziffert den Weltmarkt auf 59,6 Mrd. $ (+4 %) — davon entfallen 34,8 Mrd. $ auf den Handel über Galerien und Händler und 20,7 Mrd. $ auf öffentliche Auktionen (+9 %). Die Private Sales der Auktionshäuser sanken dagegen auf 4,2 Mrd. $ (−5 %). Die Auktion ist also nicht der Markt, sondern der sichtbare Teil von ihm — die Mehrheit der Transaktionen (41,5 Mio.) läuft unterhalb der öffentlichen Zahlen.

Provenienz: die Prüfung, die beide Wege verlangt

Der Kaufweg ändert nichts an der Prüfpflicht. Eine seriöse Prüfung umfasst die lückenlose Besitzkette inklusive der Jahre 1933 bis 1945, den Eintrag im Werkverzeichnis des Künstlers, einen unabhängigen Zustandsbericht und eine Suche in der Art Loss Register; die Dringlichkeitssuche kostet dort 300 £, 350 € oder 400 $ je Objekt zuzüglich Umsatzsteuer (artloss.com), eine reine Verlustmeldung 15 £ je Objekt. In Deutschland wurden zum 1. Dezember 2025 eigene Schiedsgerichte für Fälle nationalsozialistischer Raubkunst eingeführt, deren Restitutionsentscheidungen für die Parteien verbindlich sind (Weltkunst / ZEIT, 2025).

Der Unterschied liegt in der Haftung nach dem Kauf: Beim Händler gelten die vollen Gewährleistungsrechte der §§ 434 ff. BGB — auch für Echtheit, wenn sie zusichert wurde. Auf der Auktion gilt der Ausschluss: Nach §§ 41 ff. KGSG schließen die Kaufbedingungen der Häuser die Gewährleistung aus, der Zuschlag ist die Annahme nach § 156 BGB, und eine Ausnahme greift nach § 444 BGB nur bei Vorsatz oder Arglist. Die Bankkarte, die den Zuschlag einer Auktion überlebt, ist die Expertise, die man sich vorher gekauft hat.

Welcher Weg passt zu welcher Situation

Die Auktion ist der richtige Weg, wenn ein Werk öffentlich gehandelt wird, die Vergleichszahlen der Vorauktionen erreichbar sind und die Expertise unabhängig geprüft werden kann — ihr Vorteil ist der öffentliche Preis als Datum, nicht die Ersparnis. Der private Weg passt, wenn Diskretion der Gegenstand selbst ist — Werke, die der Markt niemals öffentlich sehen soll — und wenn der Verhandlungsspielraum der Marge die verlorenen Schutzrechte wert ist. Beides sind keine Geschmacksfragen, sondern Rechnungen: Auf Summen um 2 Mio. € trennen die beiden Wege Beträge, die ein Concierge-Jahr übersteigen können.

Wie eine solche Prüfung bei gleichzeitiger Diskretion abläuft, haben wir im Beitrag zum Vetting von Luxus-Dienstleistern beschrieben; die Discretion des privaten Marktes behandelt der Beitrag zur Privatsphäre bei Premium-Services.

Häufige Fragen

Wie hoch ist das Auktionsaufgeld 2026?

Christie's verlangt gestaffelt 28 % bis 1,5 Mio. £, 22 % bis 6 Mio. £ und 15 % darüber. Sotheby's hat im Februar 2026 erhöht: 28 % bis 2 Mio. $ (die Grenze wurde von 1 auf 2 Mio. $ angehoben), 22 % bis 8 Mio. $, 15 % darüber. Phillips startet mit 29 % bis 2 Mio. $, senkt über das sogenannte Priority Bidding aber um ein bis vier Punkte. Bei deutschen Häusern wie Lempertz liegen 27 % an, zzgl. 19 % USt auf das Aufgeld, ab 800.000 € 22 %.

Wie funktioniert die Differenzbesteuerung bei Kunst?

Nach § 25a UStG wird beim Wiederverkauf durch Händler nur die Marge besteuert, mit 19 %. Da die Marge als bereits inklusive USt gilt, sind es rechnerisch 19/119 — rund 16 % der Marge, nicht des Verkaufspreises. Lässt sich der Anschaffungspreis nicht ermitteln, gilt die Pauschalmarge: 30 % des Verkaufspreises als Bemessungsgrundlage, effektiv rund 4,8 % davon. Für den Käufer wichtig: Es gibt keinen Steuerausweis auf der Rechnung — der Einkaufspreis des Verkäufers bleibt geheim.

Welche Risiken trägt der Käufer auf einer Auktion?

Den wichtigsten: den Gewährleistungsausschluss. Nach §§ 41 ff. KGSG haftet der Versteigerer für Echtheit und Beschaffenheit grundsätzlich nicht; eine Ausnahme greift nur bei Vorsatz oder Arglist (§ 444 BGB). Dazu kommen Reserve bis zum unteren Schätzpreis sowie Drittanbieter-Garantien und irrevocable bids, die den Preis an der Garantiegrenze bündeln können. Beim Händler gelten dagegen die vollen Gewährleistungsrechte der §§ 434 ff. BGB.

Was gehört in eine seriöse Provenienzprüfung?

Die lückenlose Besitzkette inklusive der Jahre 1933 bis 1945, der Nachweis im Werkverzeichnis des Künstlers, ein unabhängiger Zustandsbericht und eine Suche in der Art Loss Register — die Dringlichkeitssuche kostet dort 300 £ bzw. 350 € bzw. 400 $ je Objekt zuzüglich USt. In Deutschland wurden zudem Ende 2025 Schiedsgerichte für NS-Raubkunst-Fälle eingeführt, die Restitutionsentscheidungen bindend treffen.

Der ruhige Weg zur Entscheidung

Die Entscheidung beginnt nicht beim Bietsaal, sondern bei der Frage, was das Werk können soll: öffentlich belegter Besitz oder stiller Bestandteil einer Sammlung. Wer dieses Ziel in schriftlicher Form hat, erkennt auch, welcher der beiden Wege den besseren Teil der Marge trägt.

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